echt gut heute
So ein Mist: Der Wind ist aber heute morgen zickig. Erst dreht er auf West, hört dann ganz auf. Erst um 11:00 setzt endlich der portugiesische Norder ein. Aber wie. Mit einer Schauer kommt der Wind böig, schrallig mit bis zu 24 kn. Gegen Mittag wird es besser. Sogar richtig gut. Bacchus läuft wie auf einem Schaumkissen. Leicht gurgelnd, zischend streift das Wasser an der Bordwand entlang. Es ist fast wie ein schweben zwischen Himmel und Erde. Einen Augenblick lang fühle ich mich, im Boot sitzend und lesend, so entspannt wie Zuhause auf dem Sofa. Das lässt hoffen…
Damit ich nicht übermütig werde kommt jetzt auch die schon erwartete, kräftige und unangenehme Kreuzwelle. Das Sofa wird jetzt noch für zwei Stunden mit der Achterbahn getauscht. Da bleibe ich jetzt aber ganz locker, denn Porto Santo, der kahle schroffe Steinhaufen da vor mir, ist nur noch wenige Seemeilen entfernt.
Wenn das beunruhigende, andauernde “klack, klack, klack” nicht wäre, das irgendwo im Antriebsstrang ertönt. Egal erst mal ankommen. Bei der Schaukelei muß jetzt nur noch die nötige Wende 2 sm vor der Hafeneinfahrt halbwegs gelingen, dann steht einem frischgezapften “Ankerschluck” nichts mehr im Wege.
Nachtrag
Während der 4 Tage Einhand habe ich mir, unbewusst, einen ziemlich strukturierten Tagesablauf angewöhnt. Fast alle Tätigkeiten, incl. 30 Minuten Sport am Morgen, erfolgten Schritt für Schritt, nach einem ziemlich identischen Zeitplan. Am Montag fühlte ich mich fast fitter als bei der Abfahrt. Sicher hat das gute Wetter viel dazu beigetragen, ich hätte noch einige Tage so weitersegeln können.
Mir kamen die Segelbücher von Wilfried Erdmann nochmal in den Sinn die ich vor vielen Jahren gelesen habe. Erst jetzt, nach meinem kleinen Einhandhüpfer von gerade mal 500 sm im ruhigen, sommerlichen Nordatlantik, beginne ich ansatzweise zu begreifen was dieser Mann geleistet hat. Da kann ich nur sagen: “Respekt”.