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Lajes/ Flores/ Azoren 29 °C 25 °C

Ganz weit weg

Man erzählt, dass bis vor wenigen Jahren die Fluggäste beim Landeanflug mit folgenden Worten verabschiedet wurden:" Liebe Gäste, wir landen auf Flores, drehen sie ihre Uhren um 20 Jahre zurück."
Auch heute haben wir manches Mal das Gefühl die Zeit stehe hier still. Alle zwei Wochen kommt ein Versorgungsschiff und bringt fast alles was auf der Insel gebraucht wird. Zur Zeit gibt es keine Feuerzeuge und kein Wasser in Literflaschen. Also werden die guten alten Streichhölzer verkauft und Wasser in 5 Liter Kanistern oder die kleinen völlig überteuerten 0,33 Trinkfläschchen. Auch sonst lernt man hier, dass nicht immer alles jederzeit zu Verfügung steht. Das der Überfluss in unseren Supermärkten in Deutschland nicht selbstverständlich ist. Improvisieren gehört auf Flores zum Alltag. Wenn das Wetter nicht mitspielt, und das ist im Winter oft der Fall, kann die Fähre nicht anlegen und dann werden viele Dinge auf Flores echt knapp. Noch extremer ist es für die Bewohner von Corvo, der kleinsten Insel der Azoren, Nachbarinsel von Flores. 425 Menschen leben dort und werden von hier aus durch die kleine Inselfähre versorgt. Bei schlechtem Wetter oft nicht möglich. Hier ist das Festland ganz weit weg.
Petra erzählte uns, dass vor noch sieben Jahren keine der Straße geteert war, Brot gab es nur an zwei Tagen in der Woche und auch nur bei den Bäckern. Die kleinen Supermärkte, für uns eher spärlich bestückt sind ebenfalls eine recht neue Errungenschaft und ein Fortschritt für die Inselbewohner.
Petra ist mit Sohn Florian, hier um die Mühle ihres Vaters, der letztes Jahr plötzlich verstorben ist, in Ordnung zu bringen. Ein schwieriges Unterfangen. Bei der Witterung wächst Grünzeug und Schimmel ungehemmt vor sich hin. Und Ruck Zuck sind zwei Wochen Urlaub mit viel Arbeit vorbei und wenig Zeit zum Relaxen geblieben. Arthur, Petras Vater, haben wir letztes Jahr kennengelernt und gemeinsam mit ihm und seiner Familie einen sehr kurzweiligen Abend in der Mühle verbracht. Die steht nun seit seinem Tod leer und erfordert eine Menge Arbeit. Was weiter damit geschieht ist noch unklar. Leerstehen tut diesem Gebäuden auf alle Fälle nicht besonders gut. Petra hat uns angeboten doch einige Monate auf Flores in der Mühle zu wohnen, aber das ist nicht unser Ding.